Schmale Brücke – große Muskeln

Die Weißeritztalbahn gilt als die dienstälteste öffentliche Schmalspurbahn Deutschlands. Die gut 26 Kilometer lange Strecke führt eigentlich von Freital-Hainsberg durch das Tal der Roten Weißeritz bis nach Kipsdorf. 2002 fiel die Strecke der Flut zum Opfer und wurde schwerbeschädigt.

Nach dem 2008 der erste Teilabschnitt wiederaufgebaut in Betrieb ging, war es lange Zeit ruhig geworden um den 2. Bauabschnitt. Seit März 2016 läuft der Wiederaufbau.

2017 soll die Strecke wieder in Betrieb genommen werden. Dann soll sie nicht nur sicher die Züge tragen, sondern im Ernstfall auch den Fluten der Roten Weißeritz wieder stehen. In Obercarsdorf gab es dafür einen besonderen Test.

O- Ton Mirko Foß Eisenbahnbetriebsleiter der SD

Dafür ist die Bahnbrücke an der Kellerkurve in Obercarsdorf in den vergangenen Monaten umgerüstet worden. Im Falle eines Hochwassers soll sie 80 Zentimeter angehoben werden. Die Idee dieser so in Sachsen einmaligen Brücke war die praktikabelste Lösung. Eine herkömmliche Erhöhung des Bauwerkes hätte auch eine Anhebung des Umfeldes bedurft. Der zeitliche und bauliche Aufwand wäre um ein Vielfaches höher.

Wie hoch der Aufwand an Zeit und Menschen ist, um das Tonnenschwere Bauwerk im Ernstfall höher zu setzen, das wollen die Kameraden des THW Dippoldiswalde an diesem 23. Januar herausfinden.

O- Ton Lars Werthmann  Technisches Hilfswerk Dippoldiswalde

Schon nach kurzer Zeit wird klar die unterlegbaren Platten für die Lager der

Brücke bedürfen Korrekturen. Schon allein dafür lohnt sich der stundenlange Einsatz der Kameraden. Auch die geplante Zahl von fünf Kameraden an den Winden erweist sich als zu gering, denn im Ernstfall geht es um Minuten.

O- Ton Lars Werthmann Technisches Hilfswerk Dippoldiswalde

Bei der Bahnbrücke ist Muskelkraft gefragt. An den Pfeilern wird je eine Winde aufgestellt. Jede der Winden wird von jeweils zwei Kameraden bedient. Ein weitere steht mit einem Zollstock bereit. Gleichmäßig muss die Brücke an einem Ende angehoben werden. Sie darf sich nicht verkanten. Nach zwanzig Zentimetern ist vorerst Schluss. Die Teams auf der anderen Uferseite sind an der Reihe.

Abwechselnd und in vier Stufen kurbeln die Teams die Konstruktion nach oben, schieben Träger für Träger darunter. 80 Zentimeter gewinnen die Kameraden am Ende. Nach dem Ernstfall wird die Brücke wieder abgelassen, in ihren Lagern befestigt und ist wieder betriebsbereit.

O- Ton Mirko Foß Eisenbahnbetriebsleiter der SD

Vier Stunden haben die Männer an diesem Tag benötigt. Der Einstand in Sachen Funktionalität des Systems war gelungen. Am Zeitfaktor wird noch zu Arbeiten sein.

Weitere Tests nicht ausgeschlossen. Und wenn schon die Kameraden THW nicht in ihrem Bett bleiben können, dann sollte es wenigstens die Rote Weißeritz tun.

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