IG BAU warnt vor Fachkräfte-Krise im Kreis Mittelsachsen

Zahl der Gesellen-Prüfungen geht um 62 Prozent zurück

10-Jahres-Vergleich der Handwerkskammer Chemnitz
Das Handwerk hat goldenen Boden, heißt es. Aber gilt das auch noch in Zukunft?
Angesichts einer zunehmenden „Akademisierung“ hat die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) vor einer Fachkräfte-Krise für Handwerksbetriebe im Landkreis Mittelsachsen gewarnt. Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf Zahlen der Handwerkskammer Chemnitz: In deren Bereich legten im vorletzten Jahr lediglich rund 1.360 Auszubildende eine Abschlussprüfung ab – zehn Jahre zuvor waren es noch etwa 3.550. Das macht einen Rückgang von 62 Prozent. Der „Gesellen-Schwund“ ist dabei
ein landesweites Phänomen: Zwischen 2010 und 2015 sank die Zahl der Gesellen- Prüfungen in Sachsen um 50 Prozent.
Die IG BAU Südwestsachsen spricht von einem „besorgniserregenden Trend“. „Immer mehr Schulabgänger gehen lieber an die Uni statt in einen Handwerksbetrieb“, sagt Bezirkschef Andreas Herrmann. Dabei biete etwa die Baubranche im Kreis Mittelsachsen gute Verdienstmöglichkeiten und eine lange „Karriere-Leiter“. Per
Aufstiegsfortbildung könne man es bis zum Geprüften Polier oder Bauleiter bringen – und dann sogar mehr verdienen als viele Architekten. „Sei schlau, geh zum Bau – dieser Tipp gilt nach wie vor“, so Herrmann.

Nach Angaben der Sozialkassen der Bauwirtschaft (Soka-Bau) waren im vergangenen Oktober 113 Bau-Azubis im Landkreis gemeldet. „Damit steht der Bau besser da als viele andere Handwerksbereiche. Trotzdem: Jeder zusätzliche Azubi wird gebraucht“, sagt der Gewerkschafter – „besonders in Zeiten einer deutlich anziehenden Baukonjunktur.“ Zudem werde der Fachkräftebedarf angesichts geburtenschwacher Jahrgänge in den 90er-Jahren weiter steigen.
Ein wichtiges Argument, eine Bau-Ausbildung zu machen, sei nach wie vor die Bezahlung, so Herrmann. Die Verdienste der Auszubildenden lägen meist sogar über denen der Industrie. In den neuen Bundesländern geht ein angehender Maurer oder Straßenbauer während der dreijährigen Lehre mit durchschnittlich rund 900 Euro pro
Monat nach Hause. Ein Kfz-Mechatroniker in Ausbildung kommt auf 635 Euro.sagt der Gewerkschafter – „besonders in Zeiten einer deutlich anziehenden Baukonjunktur.“ Zudem werde der Fachkräftebedarf angesichts geburtenschwacher Jahrgänge in den 90er-Jahren weiter steigen.
„Wer aber Fachkräfte in der Branche halten will, muss auch im Anschluss etwas tun. Der Einkommensabstand zwischen Industrie und Handwerk vergrößert sich seit Jahrzehnten“, betont Herrmann. Die Rahmenbedingungen am Bau müssten darum entsprechend denen in der Industrie angeglichen werden. Mehr Schulabgänger werde man nur gewinnen, wenn sich neben dem Einkommen auch die Arbeitsbedingungen und das Image der Branche verbesserten, ist die IG BAU überzeugt. Hier seien vor allem die Arbeitgeber gefordert. „Beim Bau denken
viele an extremes Malochen. Doch hier hat sich in den letzten Jahren viel getan.
Maschinen und digitale Technik erleichtern das Arbeiten.“ Und wer auf dem Bau arbeite, komme auch herum und lerne das Land kennen. Bei der Arbeit auf auswärtigen Baustellen müsse der Chef mittlerweile auch die Unterkunft stellen und bezahlen, erklärt Andreas Herrmann. „Dennoch bleibt viel zu tun, um die Bauwirtschaft noch attraktiver zu machen. Höhere Arbeitsstandards sind eine Investition in die
Zukunft.“
Für die IG BAU Südwestsachsen steht fest: „Je besser die Perspektiven am Bau, desto eher werden wir die Leute halten. Das Handwerk hat – nach wie vor – goldenen Boden. Wenn wir irgendwann eine Bachelor-Schwemme und einen Handwerker-Mangel haben, dann ist keinem geholfen.“ Die Folgen hiervon würden letztlich vor allem die Bürger spüren – durch höhere Preise beim Bauen und Renovieren.

Quelle: www.igbau.de

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