Wechselburger Gemeinderäte leiten Schließung der Grundschule ein

Idyllisch gelegen ist er, der Ort Wechselburg. Knapp 1200 Menschen leben hier. Im Zentrum geht es beschaulich zu. Die Basilika und ein Benedektinerkloster gehören ebenfalls zum Ortskern.

Aber die Ruhe trügt. Anlass dafür ist die drohende Schließung Grundschule im Ort. Am 23. Juni gab es hier wahrscheinlich zum letzten Mal Zeugnisse geben.

Das drohende Aus der Schule sorgte für ein Hochkochen der Emotionen. Die Einrichtung kann keine erste Klasse für das Schuljahr 2017/18 bilden, da die benötigten 15 Anmeldungen nicht erreicht wurden. Somit liege kein kein öffentliches Bedürfnis vor, teilte das Kultusministerium auf Anfrage von Mittelsachsen TV mit. Am 09. Juni sprach das Kultusministerium für die erste Klasse den Mitwirkungsentzug aus.
„Damit sei die Gemeinde Wechselburg gezwungen entsprechende Schritte einzu leiten. Sie habe sich für den Fortbestand der Schule eingesetzt und das hätte mit dem Jahrgangsübergreifendem Unterricht und Fördermitteln von 1,3 Millionen Euro gelingen können“, sagte Bürgermeisterin Renate Naumann gegenüber Mittelsachsen TV.

Die Einwohner und Elternvertreter wollen die nun drohende Schließung der Schule nicht hinnehmen und bekundeten das am Dienstag vor der Sondersitzung des Wechselburger Gemeinderates. Gut 50 Einwohner vor allem junge Eltern demonstrierten gegen die Schließungsabsichten.

Die Bürgermeisterin wollte das im Vorfeld abmildern und bat die Menge kurz vor der Sitzung zum Gespräch.

Die Versammelten lehnten das ab. Mit Transparenten, einem Lied und Sprechchören taten sie ihren Unmut kund. Einige der Räte mieden das Spalier der aufgebrachten
Menge, andere durchschritten es.

Im restlos überfüllten Sitzungssaal stimmten die Räte für die Aufnahme einer Bürgerfragestunde in die Tagesordnung der Gemeinderatssitzung, welche wohl an Dramatik und bemerkenswerten Sonderheiten nicht zu übertreffen war.

Gemeinderat Toni Knorr äußerte, das er sich bei der Abstimmung zur Grundschule der Stimme enthalten werde, da er sich in den letzten Tagen vor der Sitzung massiven Druck bis hin zu Beleidigungen in sozialen Netzwerken ausgesetzt sah.
Ein Schriftstück mit Anfeindungen liegt Mittelsachsen TV vor.

Die Eltern versuchten die Räte dafür zu gewinnen, die Schulschließung aufzuschieben, um alternative Lösungen zu suchen.

Eine davon die Einführung des klassenübergreifenden Unterrichts, welche Bürgermeisterin und Gemeinderat favorisierten, war 3 Mal vor allem zu am Widerstand der Schulkonferenz gescheitert.

Eine andere, das Angebot vom Rochlitzer OB Frank Dehne, bei einem Zusammenschluss die von der Schließung bedrohte Wechselburger Schule zu übernehmen, ließ die Verwaltung verstreichen.

Die Diskussion verlief trotz aller Emotionen sachlich, allerdings ließ Bürgermeisterin Renate Naumann den größten Teil der Fragen durch den Justitiar der Gemeinde beantworten, um Formfehler zu vermeiden. Das wirkte nach Außen hin etwas befremdlich.

Mitten in der Sitzung erlitt Toni Knorr wahrscheinlich einen Schwächeanfall. Eine Krankenschwester unter den Bürgern leitete Erste Hilfemaßnahmen ein, bis der Rettungswagen eintraf und den Rat zur Behandlung in ein Krankenhaus brachte. Bis zu Redaktionsschluss befand sich Toni Knorr noch in ärztlicher Behandlung.

Auf den Vorfall hin, stellte der SPD- Gemeinderat Andreas Meinhold den Antrag die Sitzung abzubrechen. Aber er wurde mit den Worten: „Das ist in Toni´s Sinn“ überstimmt. Eine weitere Merkwürdigkeit an diesem Abend.

Schlussendlich beschloss der Gemeinderat mehrheitlich die Eröffnung des Anhörungsverfahrens zur Schließung der Grundschule.
Dabei wurde der Beschluss noch schnell um den Zusatz der Beschulung in der Regenbogenschule Rochlitz erweitert.
Im Prozedere hat das ein Anhörungsverfahren zur Folge. So müssen neben den betroffenen Eltern unter anderem ebenfalls die oberste Schulaufsichtsbehörde, der Schulnetzträger und die Verantwortlichen der Schülerbeförderung befragt werden.
Bemerkenswert war auch, das nach all der Eile für die Einleitung der Anhörung zur Schulschließung, die Gemeinderatssitzung zur endgültigen Beschlussfassung über die Grundschul-Schließung bis nach dem Urlaub des Justitiars Zeit hat.
Der Abend in Wechselburg war für die Eltern und den Schulstandort ein trauriger.

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