Straße mit Handicap

Schön ist sie geworden die neue Straße im Roßweiner Innenstadtbereich. Vier Jahre lang hatte der grundhafte Ausbau der Ortsdurchfahrt S34/39 auf ca. 1,3 Kilometer gedauert. Mit der Erneuerung der Straße, erfolgte auch die der Gehwege. Ca. 1,6 Millionen Euro sollte die Gemeinschaftsmaßnahme kosten.

Durch längs- und querliegende Leitungen im Altbestand sei es bei der planmäßigen Verlegung neuer Rohre und Verbindungen zu Konflikten gekommen. Das führte zu einer zweijährigen Verzögerung und verteuerte die auf knapp 2 Millionen Euro.

Im August wurde das fertiggestellte Projekt seiner Bestimmung übergeben. Damit waren aber nicht alle zufrieden.

O-Ton Kerstin Bauer – Behindertenbeirat der Stadt Rosswein

Am 09. November lud der Behindertenbeirat zu einem besonderen Stadtrundgang offen für alle ein. Die Verantwortlichen hatten entsprechende Hilfsmittel wie wie Rollstuhl, Rollator, Sehstärke einschränkende Brillen und Langstock dabei, um nachvollziehbar zu machen welche punktuellen Schwierigkeiten Menschen mit Handycape bei der Nutzung der neuen Gehwege erwarten.

O-Ton Kerstin Bauer

Weit mussten die Spaziergänger nicht gehen. Schon beim Überqueren der Jahnstraße gab es erste Probleme. Die waren aber nur Vorgeplänkel für das, was einen Rollstuhlfahrer ein paar Meter weiter erwartet. Sein ganzes fahrerisches Können wird abverlangt, um den Fußweg in der Döbelner Straße zu erreichen. Dieser ähnelt weniger einem Fußweg, aber dafür neigt er mehr zu einer Trainingsstrecke des Rollsportvereins Medizin Roßwein.

Diesen gibt es zwar nicht, aber dafür diesen Fußweg, der sich an einer Stelle besonders stark neigt. „12 Prozent seien das“, sagte der Landtagsabgeordnete Henning Homann.

Über solche und weitere Mängel hatte der Behindertenbeirat und auch die Kommune Landesamt für Straßenbau und Verkehr informiert. Acht Wochen passierte gar nichts.

O- Ton Kerstin Bauer

Infolge des Termins bemühten auch wir uns beim LASUV, dem Träger der Maßnahme, um Klarheit zur Baumaßnahme. Die gesamte Antwort ist bei uns auf der Homepage nachzulesen.

Die geplanten Querneigungen stellen eine Kompromisslösung zwischen der Gewährleistung einer funktionierenden Entwässerung aller Verkehrsflächen und einer Gehwegquerneigung, die den vorhandenen Zustand – teilweise deutlich überhöhte Querneigungen – nicht verschlechtert sondern verbessert, dar. Eine durchgängige Einhaltung der maximalen Querneigung von 2 Prozent war, angesichts aller zu berücksichtigenden Zwangspunkte, nicht möglich.

Dessen ungeachtet verschließen wir uns nicht den Anliegen und Hinweisen von Gemeinde und Behindertenvertretung, wir wollen eine bestmögliche Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmer erreichen und sind daher noch einmal mit allen Beteiligten ins Gespräch gekommen.“heißt es in einem Schreiben des LASUV.

O- Ton Kerstin Bauer

Zur gemeinsamen Lösungsfindung gehört auch das Anpassen der Ampelphasen. Auch hier waren Mängel nicht zu übersehen. Genauso wie bei den Blindenleiteinrichtungen, wie wichtig sie sind erläuterte Thorsten Gruner.

Er erklärte aus Sicht eines Blinden welche Hilfsmittel ihm neben den akustischen an einer Fußgängerampel zur Verfügung stehen.

Dazu gehören auch diese geriffelten Steine der tastbaren Bodenleitsysteme. Richtungsfelder zeigen ihm die Richtungen zum Beispiel an Querungen. Auch an den Ampelbereichen fand er Schwachstellen. Überdies fehlten ihm Achtungsfelder im Pflaster.

Das Projekt S34/39 wurde in zehn Bauabschnitten realisiert. Wenn die neuen Planungen abgeschlossen sind, wird es im nächsten Jahr wohl eine 11. Bauphase geben. Bleibt zu hoffen, das alle Nutzer unfallfrei über den Winter und den neuen Fußweg kommen.

Das Lehrgeld der Beteiligten zur Korrektur der Mängel übernimmt natürlich der Steuerzahler.

Statement LASUV:

Guten Tag Herr ….,

wir haben die Schwierigkeiten bei den Planungen durchaus umfassend geprüft und nach technisch machbaren Lösungen gesucht. Die hier gewählte Lösung muss als Kompromisslösung verstanden werden. Es ist ein Innenstadtbereich mit historisch gewachsener Bebauung und denkmalpflegerischen Ansprüchen. Bei diesem Straßenbauvorhaben in einer Ortsdurchfahrt mit beidseitig geschlossener Bebauung bilden die vorhandenen Höhen an den Gehwegrücklagen maßgebende Zwangspunkte. Die verfügbare Breite zwischen den Wänden der begrenzenden Gebäude ließ auch nur Mindestbreiten sowohl bei der Fahrbahn als auch bei den Gehwegen zu und somit keinen Spielraum für Höhenausgleiche über Querneigungsverwindungen.  

Die vorhandenen Höhenverhältnisse im Zuge der Döbelner Straße sind sehr unstetig. Um die gegebenen Geländehöhen der Gehwegrücklagen (einschließlich zahlreicher Zugänge, Zufahrten und Kellerfenster) einhalten zu können, war bei der höhenmäßigen Durchplanung mit wechselnden Querneigungen sowohl in der Fahrbahn als auch an den Gehwegen zu arbeiten, da die unterschiedlichen Höhenverhältnisse auf beiden Straßenseiten nicht mit der Gradiente ausgeglichen werden konnten. Dabei wurde beispielsweise auch die Querneigung der Fahrbahn (Dachprofil) abschnittsweise auf einer Seite bis auf 1 Prozent abgemindert, um die Gehwegquerneigung auf dieser Seite zu minimieren.

Die geplanten Querneigungen stellen eine Kompromisslösung zwischen der Gewährleistung einer funktionierender Entwässerung aller Verkehrsflächen und einer Gehwegquerneigung, die den vorhandenen Zustand (teilweise deutlich überhöhte Querneigungen) nicht verschlechtert sondern verbessert, dar. Eine durchgängige Einhaltung der maximalen Querneigung von 2 Prozent war angesichts aller zu berücksichtigenden Zwangspunkte nicht möglich.

Dessen ungeachtet verschließen wir uns nicht den Anliegen und Hinweisen von Gemeinde und Behindertenvertretung, wir wollen eine bestmögliche Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmer erreichen und sind daher noch einmal mit allen Beteiligtebn ins Gespräch gekommen.

Am 2. November fand im Rathaus der Stadt Roßwein eine Besprechung mit anschließender Ortsbesichtigung zur Thematik der punktuell erhöhten Längs- und Querneigungen der Fußwege im Zuge des Ausbaus der S 34/ S 39 in Roßwein statt. An der Veranstaltung nahmen neben dem Bürgermeister und Vertreter des LASuV auch Vertreter des Behindertenbeirates der Stadt Roßwein und das mit der Planung der Ausbaumaßnahme beauftragte Ingenieurbüro teil. Seitens des Behindertenbeirates wurden die Problemstellen, die insbesondere für mobilitätseingeschränkte Menschen eine Unfallgefahr darstellen könnten, angesprochen. Vom LASuV wurde auf die Problematik, die ein Ausbau im Bestand, also die Berücksichtigung von Hauseingängen, Grundstückszufahrten, Fahrbahnquerungen, Entwässerung usw. erfordern, hingewiesen. Eine derartige Situation bedingt zwangsläufig das Eingehen von baulichen Kompromissen.

Im Anschluss an die Besprechung wurden die angesprochenen Stellen gemeinsam begangen und vor Ort mögliche Maßnahmen zur Verbesserung der, durch die Baumaßnahme, entstandenen Situation im Einvernehmen besprochen.

Diese Maßnahmen müssen nunmehr im Detail auf der Basis planerischer Untersuchungen geprüft und Lösungen erarbeitet werden. Voraussetzung hierfür ist eine Vermessung, die kurzfristig durchgeführt werden soll. Die daraus resultierenden Änderungsvorschläge sollen danach nochmals der Stadt und dem Behindertenbeirat vorgestellt werden.

Wegen der erforderlichen planerischen Vorbereitung kann die bauliche Umsetzung der Maßnahmen am Fußweg Döbelner Straße/Dresdner Straße gemeinsam mit den Maßnahmen am Brückenplatz erst im Frühjahr 2018 erfolgen.

Der barrierefreie Umbau der Gehwege im Bereich „Am Brückenplatz“ ist nun wie folgt angedacht:

Der Gehweg von der Muldenbrücke wird in Richtung Markt um bis zu 5 Meter verlängert, um die Querneigung zu lindern. Damit wird die Einmündung „Am Brückenplatz“ schmaler ausgebildet. Der Abbiegeradius wird angepasst und entspricht in etwa dem an der gegenüberliegenden Ecke (Bäckerei). Für die fußläufigen Beziehungen entlang der S 34 wird zwischen den beiden gegenüberliegenden Gebäudeecken eine durchgehende Achse angelegt und in diesem Bereich die Borde auf 3 Zentimeter Anschlag abgesenkt. Auf der Bäckereiseite müssen dafür eine kleine Pflasterfläche und der Bord nochmals aufgenommen werden.

Die eigentlichen Änderungen finden auf der Fleischereiseite statt. Die Verlängerung des dortigen Gehweges wird genutzt, um eine langjährige Absicht der Stadt Roßwein zum Umbau des Brückenplatzes aufzugreifen. Der Bord wird bis in den Brückenplatz hineingezogen, um das Senkrechtparken vor der Fleischerei auch baulich zu untersetzen. Wegen der komplizierten Höhenverhältnisse wird die Fläche zwischen dem verlängerten Gehweg und den Senkrechtstellplätzen als Grünfläche ausgebildet. Diese Fläche will die Stadt Roßwein künftig bepflanzen, ohne die Sichtverhältnisse zu beschränken.

Die Treppe vom Gehweg neben der S 34 zur Fleischerei wird angepasst und barrierefrei ausgestattet. Das umfasst kontrastierende Treppenstufen, ein Geländer mit Handlauf auf der gebäudeabgewandten Seite und die Anordnung von je einem Aufmerksamkeitsfeld vor der Treppe oben/unten.

Aus verkehrsrechtlicher Sicht muss künftig das Rechtsabbiegen für Lkw aus Richtung Stadtzentrum in „Am Brückenplatz“ untersagt werden.

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