Buchvorstellung am Gedenktag

Mittweida am Morgen des 27. Januar. Am Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus gab es statt der Zeremonie und Kranzniederlegung am Mahnmal, wenige Meter vom Gymnasium entfernt, eine Buchpräsentation. „Juden in Mittweida – eine Spurensuche“. Das gerade erschiene Buch wurde in der Aula des Gymnasiums der Öffentlichkeit vorgestellt. Herausgegeben wurde es als 6. Buch der Schriftenreihe des Stadtarchivs und Stadtmuseums. Gut 120 geladene Gäste waren gekommen, um der Präsentation dieses Zeitdokuments einen passenden Rahmen zu geben.

O-Ton Ralf Schreiber – Oberbürgermeister Stadt Mittweida

2002 im Rahmen der Stolpersteinverlegung hatte der Historiker Dr. Jürgen Nitsche begonnen über jüdische Schicksale in Mittweida zu recherchieren. Nitsche hat akribisch geforscht und mit Hilfe Angehöriger auch Bilder und Dokumente zusammengetragen. Auf 608 Seiten berichtet der Autor über das Leben von Juden im neuzeitlichen Mittweida und Umkreis.

Das Zeitfenster reicht hier von 1888 bis 1988. Darin enthalten sind auch zwischen 1870 – 1938 am Technikum eingeschriebene Studenten. Aus einer Idee zu einer kleinen Publikation ist ein umfangreiches und wohl über Mittweida hinaus bedeutsames Zeitdokument geworden.

O-Ton Dr. Jürgen Nitsche

Auf seiner „Spurensuche“ gibt der Buchautor Einblicke in die jüdische Geschichte Mittweidas. Diese auch im wahrsten Sinne des Wortes.

O-Ton Dr. Jürgen Nitsche

Die erste Herausforderung nach Erscheinen des Buches war für den Autor die Präsentation in der Aula. 25 Kapitel hat sein Buch und die stellte er alle kurz vor.

Dabei berichtete er beispielsweise über den Modewarenhändler Adolf Cohn, den ersten Juden im neuzeitlichen Mittweida und über die Familie Halpern. Jakob Halpern kam aus Osteuropa stammend über Dresden nach Mittweida. Er heiratete Edith Aron. Die stammte aus Pommern. Er führte eine Stroh- und Filzhutfabrik, sie hatte ein Hutgeschäft auf der Weberstraße. 1937 wanderten sie aus. Ihr Sohn Manfred besuchte Mittweida in den der 60er Jahren.

Das Buch beschreibt auch das jüdische Leben nach dem Holocaust, den zwei Mittweidaer Juden überlebten. In einem großen Kapitel widmet er sich der Entrechtung und Verfolgung von Mittweidaer Juden von 1933 – 39. Das traurige Schicksal der Familie Bach ist eines davon.

O-Ton Dr. Jürgen Nitsche

Musikalisch umrahmt war die Präsentation des Buches mit traditioneller Klezmermusik.

„Der Schlüssel zum Verständnis des Wesens und der Funktion der Klezmermusik liegt in der Bedeutung der Hochzeit bei den aschkenasischen Juden: Bei dieser existenziellen Begegnung von Mann und Frau, dem männlichen und dem weiblichen Prinzip, vollzieht sich unter den Klängen der Klezmorim das Drama von Trennung und Vereinigung, Tod und Wiedergeburt. Hochzeitsriten wandten sich ursprünglich an die Toten, und noch im 20. Jahrhundert besuchte das Brautpaar vor der Hochzeit die Gräber der nächsten Verwandten.”, schrieb der bekannte Klezmerklarinettist und Musikethnologe Joel Rubin.

Tief berührt von den Schicksalen der Menschen in diesem Buch ist auch der Mittweidaer Oberbürgermeister.

O-Ton Ralf Schreiber – Oberbürgermeister Stadt Mittweida

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“, heißt ein oft genutztes Zitat aus dem Talmud, einer Sammlung jüdischer Schriften. Das Buch „Juden in Mittweida – eine Spurensuche“ erinnern und mahnen. Der Autor und die Stadt dankten den Unterstützern des Buches mit einem besonderen Exemplar.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.




Mittelsachsen TV

Kostenfrei
Ansehen